Samstag, 17. August 2013

Die ägyptische Bevölkerung fühlt sich verraten

Es hat mich eine Frage eines ägyptischen Freundes erreicht, der wissen wollte, warum sich die deutsche und die amerikanische Regierung gegen das ägyptische Volk stellt. Dies aus dem Munde eines Menschen, der über viele viele Jahre hinweg ein Freund vieler Deutschen ist. Was bewegt ein Mann der jahrelang gerne Deutschen sein Land zur zweiten Heimat machte, plötzlich ärgerlich ist und so ein Foto ins Internet stellt.

Danach gefragt, gab er zur Antwort, dass keiner in Ägypten verstehen kann, warum sich die Welt auf die Seite der Muslimbrüder stellt.  Nun denkt man ja zunächst, dass das ziemlich nach Propaganda riecht. Bei weiterem Nachdenken kommt mir dann so in den Sinn, wie es sich anhört, wenn Politiker damit drohen Hilfsgelder einzufrieren. Wenn das Militär aufgefordert wird auf Gewaltanwendung zu verzichten und somit mit den Muslimbrüdern gleichgesetzt wird. Wenn plötzlich durch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, die unklarer hätte nicht sein können, der Tourismus in Ägypten lahmgelegt wird und damit eine wesentliches Standbein für die wirtschaftliche Existenz wegbricht. 
Am 30. 7. 2013 erhob sich das ägyptische Volk gegen einen Präsidenten, der nicht das Wohl des ägyptischen Volkes, sondern nur die Errichtung eines islamischen Gottesteaates im Sinn hatte. Diese Aktion der überwiegenden Mehrheit des ägyptischen Volkes war in meinen Augen ein Akt von Basisdemokratie in der reinsten Form. Nachdem sich Mursi völlig beratungsresistent an seinem Amt festhielt, ein Verhalten an den Tag legte wie Mubarak in seinen letzten Tagen, verhinderte die Intervention des Militärs eine Eskalation der Situation. Die Mehrheit der ägptischen Bevölkerung war froh und ging nach Hause. Nur wenige, nämlich die Muslimbrüder, beschlossen den Kampf aufzunehmen und das Land zu destabilisieren. Es wurde zum Marsch der Millionen aufgerufen, an dem nur Hunderttausende unterwegs waren. Die Unterstützung wird immer weniger aber die Gewalt, die die Muslimbrüder anwenden immer heftiger. Der einzigste Schutz vor den terroristischen Angriffen der Muslimbrüder bieten die Sicherheitskräfte. Nun werden aber die Aktionen des Militärs plötzlich mehr und mehr kritisiert und die eigentlichen Täter werden zu den Opfern. 
Es ist für mich absolut verständlich, dass die ägyptische Bevölkerung verärgert über die Einmischung der Weltgemeinschaft in Ägypten ist. Man sollte Ägypten durchaus zutrauen, dass es seine Probleme selber in den Griff bekommt und garantiert keine Hilfe durch Sanktionen benötigt. Auch nicht durch eine meiner Meinung völlig unnötigen Ausbremsung des Tourismus.  Ich hoffe, dass die Weltgemmeinschaft nicht durch wirtschafts- und machtpolitisches Kalkül dazu beiträgt, dass in Ägypten die falschen Weichen gestellt werden können.
Übrigens ist mein Freund ein überzeugter Moslem, der nicht Gewalt als einen Teil seiner Religion ist.

     Auch solche Bilder kommen aus Ägypten. Muslime bilden eine Menschenkette, um  eine Kirche in Südägypten       um sie  vor wütenden Islamisten zu schützen


Eine Bitte an meine ägyptischen Freunde: Nicht alles was unsere Regierung macht finden alle Deutschen gut und auch bei uns wird in den Medien vieles verfälscht dargestellt.



  

Freitag, 16. August 2013

Warum wird Ägypten von der Welt im Stich gelassen

Am 14. August löst das ägyptische Militär die Protestcamps der Muslimbrüder auf. Ein schreckliches Blutbad mit vielen Toten ist das Ergebnis. Ein Aufschrei geht durch die Welt.
Die Übergangsregierung wird von der Weltpolitik angemahnt sich friedlich zu verhalten. Ein Korrespondent des WDR kommentiert die Ankündigung von Obama ein militärisches Manöver mit den Ägyptern abzusagen mit den Worten: "Dies stört das ägyptische Militär weniger, denn die führen lieber Krieg gegen das eigene Volk".
Die US-Amerikaner werden aufgefordert, das Land zu verlassen. Zwei deutsche Firmen geben ihr Engagement in Ägypten auf. 7000 Arbeitsplätze gehen verloren. Durch die Medien wird eine Panikmache veranstaltet, was die Situation in den Urlaubsgebieten angeht, obwohl es für dort vom Auswärtigen Amt keine Reisewarnung gibt.Solche Maßnahmen führen zu einer weiteren Destabilisierung des wirtschaftlich eh schon angeschlagenen Landes. Herr Westerwelle fordert: "Wir erwarten von der Übergangsregierung und den ägyptischen Behörden, dass sie friedliche Proteste zulassen und alles tun, um auf eine Beruhigung der Lage hinzuwirken."

Gestern war im Live-Ticker von FOCUS folgende Meldung zu lesen:
14.04 Uhr: Der Chef des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), hat wegen der Gewalt in Kairo eine zeitweilige Aussetzung der wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit mit Ägypten in einzelnen... Punkten ins Gespräch gebracht. Es stelle sich die Frage, ob es Bereiche der Kooperation mit Kairo gebe, die zeitweilig suspendiert werden könnten, „um ein Zeichen zu setzen“, sagte er dem „Tagesspiegel“.
(aus dem Live-Ticker von Focus)

Die ägyptische Regierung soll auch hier für ihr Vorgehen bestraft werden.

Die Liste der Reaktionen ließe sich endlos fortsetzen und ich frage mich entsetzt, ob diese Menschen eigentlich wissen was sie sagen und wovon sie reden. Es wird doch mehr und mehr ein Zerrbild gezeichnet, dass die eigentlichen Täter zu den Opfern macht. Sind es doch die Muslimbrüder, die zur Gewalt aufrufen und völlig resistent gegen jeden Dialogversuch sind. Sind es nicht die Muslimbrüder. die auf den friedlichen Protest verzichten und zu Terrormitteln greifen. Sind es nicht die Muslimbrüder die Regierungsgebäude in Brand stecken und stolz ihre Märtyrer zählen? Aber trotz dieser Fakten kristallisiert sich eine Meinung in der Weltpolitik heraus, die das ägyptische Militär zum Agressor abstempelt. Ich frage mich, welches Land sich so etwas tatenlos gefallen lassen würde. Ich glaube keine Regierung würde nicht auch Waffengewalt einsetzen um seine Regierungsgebäude zu schützen.
Herr Westerwelle, der fordert, dass friedlicher Protest zugelassen werden müsste sollte sich doch mal Bilder aus seinem eigenen Land ansehen.
                                         Dieser Mann verlor durch den Einsatz von Wasser-
                                         werfern sein Augenlicht.                          

                                     

Das sind Bilder von einer friedlichen Protestkundgebung in Stuttgart und die Ergebnisse der Reaktion des Staates. Hier ging es aber nicht um den Schutz der Freiheit, sondern um die Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen.

Als am 3. Juli 2013 nach tagelangem friedlichen Protest von Millionen Ägypterinnen und Ägyptern das Militär Mursi abgesetzt hat, wurde verhindert, dass es zu Auseinandersetzungen zwischen Ägyptischen Bürgern kam. Die Freude und Hoffnung der Menschen war unbeschreiblich.


Es war ein Glück für Ägypten, dass die Sicherheitskräfte bisher weitestgehend erfolgreich verhindern konnten , dass Zivilisten aufeinander los gingen. Dies ist auch dem besonnenen Verhalten der überwiegenden Mehrheit der ägyptischen Bevölkerung zuzurechnen, die sich nicht von den hassreden der Muslimbrüder provozieren ließen.

Es ist und bleibt für mich unverständlich, dass Ägypten mehr und mehr von der Welt isoliert wird und ihm so die Grundlage für eine Erholung und Stabilisierung entzogen wird. Es wird dadurch ein Nährboden geschaffen, auf dem die Muslimbrüder, die derzeit immer mehr Rückhalt in der Bevölkerung verlieren, wieder erstarken können. Es ist für mich unerklärlich welches wirtschafliche oder machtpolitische Kalkül zu solchen Verhaltensweisen der Weltpolitik führen.

Ich finde es scheinheilig, dass Regierungen, die die Freiheitsrechte ihrer Bürger mit Füßen treten, angeblich um sie vor Terror zu schützen, einem Land wie Ägypten, das den Weg der Demokratie nach langen Zeiten der Diktatur erst finden muß, so oberlehrerhaft gegenüber treten. 
Ich hoffe, dass es Ägypten trotzdem gelingen wird sich wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch zu stabilisieren.